KPI Telefonie: Diese 8 Kennzahlen messen KMU wirklich
Für ein KMU reichen meist fünf bis acht Telefonie-KPIs: Erreichbarkeitsquote, verpasste Anrufe nach Uhrzeit, Rückrufzeit, Erstlösungsquote, Gesprächsdauer und Kosten je Anruf. Wer einen KI-Telefonassistenten nutzt, misst zusätzlich, wie viele Anrufe er abschließend erledigt und wie oft er an einen Menschen übergibt.
Inhalt
Fast alle Ratgeber zu Telefonie-KPIs sind für Callcenter geschrieben: oft zwanzig und mehr Kennzahlen, Auslastungsgrad von Agenten, Fluktuation, Servicelevel-Ziele. Für eine GmbH mit fünf bis fünfzig Mitarbeitern, in der Empfang, Buchhaltung oder Meister nebenbei ans Telefon gehen, ist das zu viel und teilweise das Falsche. Sie wollen wissen: Wie viele Anfragen gehen uns verloren, was kostet uns das Telefon, und bringt eine Entlastung durch Telefonservice oder KI-Assistent etwas?
Dieser Ratgeber beschränkt sich deshalb auf acht Kennzahlen, die sich ohne Callcenter-Software messen lassen. Sechs davon gelten für jede Telefonie, zwei speziell für KI-Telefonassistenten.
Woher die Zahlen kommen
Bevor Sie Kennzahlen festlegen, klären Sie die Datenquelle. Drei sind in kleinen Betrieben üblich:
- Anrufliste der Telefonanlage oder Cloud-Telefonie. Sie enthält Zeitpunkt, Rufnummer, Dauer und ob angenommen wurde. Bei den meisten Anlagen lässt sie sich als CSV exportieren. Ob und wie, steht im Handbuch Ihres Anbieters.
- Strichliste über zwei typische Wochen. Für Werte, die keine Anlage erfasst: Anliegen, Neukunde ja oder nein, Problem im ersten Gespräch gelöst ja oder nein.
- Protokolle des KI-Assistenten. Wenn Sie bereits einen nutzen: Transkripte, Zusammenfassungen und Weiterleitungsvermerke je Anruf.
Eine Tabellenkalkulation reicht für die Auswertung. Wichtig ist nur, jeden Monat gleich zu zählen.
Die 6 Grund-KPIs für jede Telefonie
1. Erreichbarkeitsquote
Formel: angenommene Anrufe ÷ eingehende Anrufe × 100
Das ist die wichtigste Zahl. Beispiel: 400 eingehende Anrufe im Monat, 340 angenommen, ergibt 85 %. Zählen Sie Wiederholungsanrufe derselben Nummer innerhalb weniger Minuten gesondert. Wer dreimal hintereinander anruft und beim dritten Mal durchkommt, erzeugt zwei verpasste Anrufe, aber nur ein verpasstes Anliegen.
Mehr zu Ursachen und Lösungen lesen Sie im Ratgeber telefonische Erreichbarkeit.
2. Verpasste Anrufe nach Zeitfenster
Formel: verpasste Anrufe je Wochentag und Stunde
Die Quote allein sagt nicht, wo das Problem liegt. Sortieren Sie die verpassten Anrufe in eine Tabelle mit Wochentagen in den Spalten und Stunden in den Zeilen. In vielen Betrieben ballen sie sich in wenigen Fenstern: Mittagspause, früher Morgen, Freitagnachmittag, Urlaubszeit. Genau diese Fenster lassen sich gezielt abdecken, etwa mit einer Rufumleitung auf einen Assistenten nur zu diesen Zeiten.
3. Zeit bis zum Rückruf
Formel: Zeitpunkt Rückruf minus Zeitpunkt verpasster Anruf, als Durchschnitt oder Median
Ein verpasster Anruf ist nicht verloren, wenn Sie schnell zurückrufen. Messen Sie zusätzlich den Anteil verpasster Anrufe, die überhaupt einen Rückruf bekommen. Diese Rückrufquote ist oft ernüchternder als die Erreichbarkeit, weil anonyme oder unterdrückte Nummern gar nicht zurückgerufen werden können.
4. Erstlösungsquote (First Call Resolution)
Formel: im ersten Gespräch abschließend erledigte Anliegen ÷ alle Anliegen × 100
Diesen Wert liefert keine Telefonanlage. Sie brauchen die Strichliste oder eine Auswertung der Gesprächsnotizen. Er zeigt, wie viele Anrufe Folgearbeit erzeugen: Rückfrage an Kollegen, Rückruf, E-Mail. Eine niedrige Quote deutet auf fehlende Informationen am Telefon hin, nicht unbedingt auf zu wenig Personal.
5. Durchschnittliche Gesprächsdauer
Formel: Summe der Gesprächsminuten ÷ angenommene Anrufe
Die Dauer ist für zwei Entscheidungen wichtig. Erstens zeigt sie, wie viel Arbeitszeit das Telefon bindet. Zweitens rechnen die meisten KI-Telefonassistenten in unseren Anbieterdaten und viele Telefonservices nach Minuten ab. 300 Anrufe mit 3 Minuten ergeben 900 Minuten Bedarf im Monat, und danach richtet sich der passende Tarif.
6. Kosten je Anruf
Formel: (Arbeitszeit am Telefon × interner Stundensatz + Telefoniekosten) ÷ angenommene Anrufe
Beispiel mit Annahmen: 900 Gesprächsminuten, dazu ein Aufschlag für Nachbearbeitung von einer Minute je Anruf, ergibt 1.200 Minuten oder 20 Stunden. Bei einem internen Stundensatz von 35 € inklusive Nebenkosten und 30 € Telefonie kostet das 730 € im Monat, also rund 2,40 € je Anruf. Diese Zahl brauchen Sie, um Alternativen fair zu vergleichen. Die vollständige Rechnung zeigt unser Ratgeber Lohnt sich ein KI-Telefonassistent?.
Zwei Zusatz-KPIs für KI-Telefonassistenten
Klassische KPI-Listen setzen voraus, dass ein Mensch abnimmt. Nimmt ein KI-Assistent ab, steigt die Erreichbarkeit in den abgedeckten Zeiten in der Regel deutlich. Prüfen Sie dabei, wie viele Gespräche der Tarif gleichzeitig annimmt: Der Solo-Tarif von fonio etwa enthält laut unseren Daten keine gleichzeitigen Anrufe. Die Frage verschiebt sich dann von „Wurde angenommen?“ zu „Wurde das Anliegen erledigt?“.
7. Abschlussquote des Assistenten
Formel: vom Assistenten vollständig erledigte Anrufe ÷ vom Assistenten angenommene Anrufe × 100
„Vollständig erledigt“ heißt: Termin gebucht, Frage beantwortet oder Anliegen so aufgenommen, dass niemand mehr nachfragen muss. Eine reine Rückrufbitte zählt nur dann, wenn Name, Nummer und Anliegen vollständig sind. Diese Quote bestimmt den Nutzen, denn nur erledigte Anrufe sparen Arbeitszeit.
8. Übergabe- und Abbruchquote
Formeln: an einen Menschen weitergeleitete Anrufe ÷ angenommene Anrufe × 100 sowie vorzeitig beendete Anrufe ÷ angenommene Anrufe × 100
Eine Übergabe ist kein Fehler. Notfälle, Beschwerden und Beratung gehören zum Menschen. Steigt die Übergabequote aber bei Standardanliegen, fehlt dem Assistenten Wissen. Legen Anrufer in den ersten Sekunden auf, prüfen Sie Begrüßung und KI-Hinweis. Wie Anrufer auf KI reagieren, beschreibt der Ratgeber Akzeptanz bei Anrufern.
Hören Sie in den ersten Wochen zusätzlich eine Stichprobe von Gesprächen nach oder lesen Sie Transkripte. Zahlen zeigen, dass etwas nicht stimmt. Was nicht stimmt, zeigt erst das Gespräch selbst.
Was die Anbieter an Auswertungen liefern
Wie viel Sie ohne eigene Strichliste messen können, hängt vom Anbieter ab. Laut unseren Anbieterdaten (Stand 26.10.2026):
- sipgate sona transkribiert Gespräche, fasst sie zusammen und zeigt Admins Transkript und Analyse im Account. Die Speicherdauer bestimmt der Kunde.
- Placetel AI leitet warm mit Zusammenfassung weiter. Die Transkript-Aufbewahrung ist frei einstellbar, bis hin zu keiner Speicherung.
- fonio erstellt Transkripte und Zusammenfassungen und löscht sie laut AVV nach 90 Tagen, Audioaufnahmen sind zuschaltbar und werden nach 30 Tagen gelöscht. Wer Monatswerte vergleichen will, sollte also regelmäßig exportieren oder auszählen.
- smao nennt eine Anrufanalyse als Funktion und bietet REST-API und Webhooks, über die sich Daten in eigene Auswertungen holen lassen.
- Zeeg bucht Termine direkt in Google Kalender, Outlook, Exchange oder iCloud. Die Zahl gebuchter Termine lesen Sie dann direkt aus dem Kalender ab.
Fertige KPI-Dashboards mit Erreichbarkeit, Abschluss- und Übergabequote beschreibt keiner dieser Anbieter in unseren Daten im Detail. Lassen Sie sich die Auswertung in der Testphase zeigen, bevor Sie sich festlegen.
| Anbieter | Wertung | Preis ab | Testphase | Hosting | AVV | Terminbuchung | Ausgehende Anrufe | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| fonio | 4,4/ 5 | ab 99 € netto/Monat (jährlich), 119 € monatlich | kostenlos testen (Demo-Assistent aus der eigenen Website), 30 Tage Geld-zurück-Garantie | EU (DE/FI/FR) | ✓ Ja | ✓ Ja | ✓ Ja | Zum Anbieter →Anzeige |
| sipgate sona | 4,3/ 5 | Free 0 €, bezahlt ab 69,95 € netto/Monat | Free-Tarif dauerhaft kostenlos (500 Min.), ohne Kreditkarte | EU (Deutschland) | ✓ Ja | ✓ Ja | ✓ Ja | Zum Anbieter → |
| Placetel AI | 4,2/ 5 | ab 69 € netto/Monat (24 Monate), monatlich kündbar 79 € | 10 Tage kostenlos inkl. 50 Gesprächsminuten | Deutschland (GCP) | ✓ Ja | ✓ Ja | ✓ Ja | Zum Anbieter → |
| smao | 4,3/ 5 | ab 0 € Grundgebühr + 0,35 €/Min. | 50 Freiminuten, ohne Kreditkarte und ohne Einrichtungsgebühr | Deutschland | ✓ Ja | ✓ Ja | ✓ Ja | Zum Anbieter → |
| Zeeg | 4,3/ 5 | ab 49 € netto/Monat | 5 Freiminuten (3 Monate gültig), Terminbuchung 14 Tage kostenlos | EU (DE, NL) | ✓ Ja | ✓ Ja | ✓ Ja | Zum Anbieter → |
Messen, ohne Ärger zu bekommen
Kennzahlen sind unkritisch, solange Sie nur zählen: Anzahl, Uhrzeit, Dauer. Sobald Inhalte oder Personen ins Spiel kommen, gelten Regeln.
- Aufzeichnung: Das unbefugte Aufnehmen des nichtöffentlich gesprochenen Wortes ist nach § 201 StGB strafbar. Gespräche dürfen Sie nur mit Rechtsgrundlage aufzeichnen, in der Praxis meist mit Einwilligung. Details im Ratgeber Telefongespräche aufzeichnen.
- KI-Hinweis: Seit dem 2. August 2026 müssen KI-Systeme, die mit Menschen interagieren, so gestaltet sein, dass Anrufer erfahren, dass sie mit einer KI sprechen (Art. 50 Abs. 1 Verordnung (EU) 2024/1689). Mehr dazu unter AI Act in der KI-Telefonie.
- Auftragsverarbeitung: Verarbeitet ein Anbieter die Gespräche, brauchen Sie einen Vertrag nach Art. 28 DSGVO. Siehe Datenschutz bei KI-Telefonie.
- Mitarbeiter: Mit Betriebsrat ist eine technische Leistungs- oder Verhaltenskontrolle mitbestimmungspflichtig (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). Werten Sie deshalb nach Team, Kanal oder Zeitfenster aus, nicht nach Person.
Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung. Lassen Sie Einzelfälle von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen.
So setzen Sie die KPIs in vier Wochen auf
- Woche 1: Anrufliste des letzten Monats exportieren, Erreichbarkeitsquote und verpasste Anrufe nach Zeitfenster berechnen.
- Woche 2: Strichliste für Anliegen, Neukunde und Erstlösung führen. Zwei Wochen genügen für ein erstes Bild.
- Woche 3: Kosten je Anruf berechnen und mit Tarifen vergleichen. Dafür eignet sich unser Kostenrechner, Preismodelle erklärt die Seite Kosten.
- Woche 4: Für die schwächsten Zeitfenster einen Assistenten testen und dabei Abschluss- und Übergabequote mitzählen.
Bei wenigen Anrufen schwanken Prozentwerte stark. Bei 40 Anrufen in der Woche verändert ein einziger verpasster Anruf die Quote um 2,5 Prozentpunkte. Vergleichen Sie daher Monate statt Tage und achten Sie auf Tendenzen, nicht auf einzelne Ausschläge.
Praxistipp
Legen Sie vor dem Test eines KI-Assistenten fest, ab welcher Abschlussquote er für Sie wirtschaftlich ist. Teilen Sie dazu die Monatskosten des Tarifs durch Ihre Kosten je Anruf. Das Ergebnis ist die Zahl der Anrufe, die der Assistent im Monat vollständig erledigen muss.Welcher Anbieter zu Ihren Kennzahlen passt
Zeigen Ihre Zahlen vor allem Lücken in Randzeiten, reicht oft ein günstiger Einstieg. sipgate sona hat einen dauerhaft kostenlosen Tarif mit 500 Minuten, ab 69,95 € netto kommen API und CRM-Anbindung hinzu. Bindet das Telefon viel Arbeitszeit mit Standardanliegen, zählt eine hohe Abschlussquote. Dann sind Integrationen in Kalender und Branchensoftware wichtiger als der Einstiegspreis. fonio ist nach unserer Methodik mit 4,4 von 5 der bestbewertete Anbieter in unseren Daten, mit 1.000 Inklusivminuten schon im Solo-Tarif und rund 30 Integrationen. Die Kalenderverbindung ist laut Vergleichstabelle des Anbieters allerdings erst ab dem Team-Tarif inklusive.
- Öffentliche Preise mit 1.000 Inklusivminuten schon im Solo-Tarif
- Rund 30 verfügbare Integrationen, darunter Google Calendar, Calendly, eTermin, Pipedrive, onOffice, Make und n8n
- AVV mit vollständiger Subprozessorliste, Löschfristen und Verschwiegenheitserklärungen für Berufsgeheimnisträger
Alle Anbieter mit Preisen, Datenschutz und Funktionen finden Sie im Vergleich.
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